
Wir starten morgens 10 Uhr mit (mitgebrachter) namibischer Musik unseren ersten Tag im Waisenhaus Moria Grace. 70 Kinder im Alter von eins bis 16 Jahren leben hier unter einfachsten Bedingungen. Es sind glückliche Kinder. Wir sind beeindruckt, wie die Waisenhausmutter Wilhelmina mit Frauenpower, Fröhlichkeit, Witz und Durchhaltevermögen „ihre“ Kinder begleitet. Was Wilhelmina braucht und sucht sind soziale Kontakte. Das Gefühl nicht allein zu sein – mit ihren vielfältigen Alltagssorgen und auch Freuden. Sie wünscht sich z.B. Briefkontakt mit deutschen Kindern. (Hallo Thorsten, kannst Du Dich darum kümmern?). Ich denke daran, wie gut es ihr tun würde, wenn sich hier regelmäßig Frauen zum austauschen, singen, tanzen treffen würden. Im großen Hof ist Platz genug.
Der einzige CD-Player ist defekt. Es wird die erste Notiz auf meiner Liste, um in den nächsten Wochen Sachspenden hier in Windhoek zu organisieren. Es mangelt an Brotboxen für alle Schulkinder, Küchenmessern, Blechtassen oder einfach leeren Wasserbehältern. Bastelsachen oder Bücherregale fehlen komplett. Meine Liebe zum Recycling und Upcycling kommt dem zugute: Alle noch übrigen Tetrapacks, die wir seit unserer Ankunft in Namibia gesammelt und „verbastelt“ haben, kommen nun ins Waisenhaus. Sie werden als Stiftbehälter gebraucht.
Wilhelmina hat überraschenderweise Tische organisiert. So ist für den heutigen Tag ein Raum zu einem Mal- und Schulzimmer verwandelt. Die vorsorglich mitgebrachten dicken Pappen als Tischersatz funktionieren wunderbar als Malunterlage. Es kann losgehen. Die Kinder zeichnen mit Konzentration und Begeisterung für unser Ausstellungsprojekt ihre Wohn(t)räume. Anschließend interviewt sie Cosima zu ihren Bildern, Träumen und Leben. Alle weiteren Bildern die entstehen hängen wir im Flur auf. So entsteht eine erste kleine Galerie in den halbdunklen Fluren, die bisher keine Dekoration und keine Farbe kennen. Ich plane – solange ich in Namibia wohne – monatlich die Kinder für zwei Malstunden zu begleiten. Das Haus darf innen mit Träumen, Wünschen und Farben bemalt werden!
In der Schulstunde am Nachmittag „One Goal – Education for all“ erfahren die Kinder, dass 72.000.000 Kinder weltweit nicht zur Schule gehen können, sprechen über die Fußball-WM, ihre Lieblingsfußballspieler und wie ein Leben für Kinder ohne Schule aussieht. Zum Abschluss dürfen sie erstmalig auf einer Unterschriftenliste IHRE persönliche Unterschrift geben, denn die Unterschrift jedes einzelnen Kindes zählt im Rahmen der Petitionsaktion ONE GOAL wie eine Erwachsenenstimme. Das ist bisher einmalig. Wenn ein Kind nicht schreiben kann, dann darf es ein Zeichen oder Bild malen, was ebenso als Unterschrift anerkannt wird.
Die Fußbälle (Sponsoring SportThieme) kommen wunderbar an, die gelben Armbänder als ONE-GOAL Aktionssymbol (für die Zeit der WM) finden die Kinder richtig cool.
Was brauchen die Waisenhauskinder (außer genügend Essen und Liebe), um kindgerechte Nachmittage oder Wochenenden zu haben? Z.B. Bastelscheren, Kleber, Malfarben, Straßenmalkreiden, Springseile, Hula-Hupp-Reifen und Bücher. Ich spreche mit den Kindern darüber, eine eigene Bibliothek zu gründen und suche ab sofort dafür Kinderbücher (in englisch oder africaans).
Geldspenden (auch kleinste Beträge) helfen und kommen direkt hier an, ohne Verwaltungskosten: www.moria-grace.de // Sachspenden in Namibia an: Katharina Wyss, Tel. 00264 81 340 23 79, wyss@goldboerse.net, www.goldboerse.net
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